Der Deutsche Orden wurde im Jahre 1190, während des dritten Kreuzzuges, bei der Belagerung der Hafenstadt Akkon durch christliche Kreuzfahrerheere, von Bremer und Lübecker Kaufleuten als Hospitalbruderschaft gegründet und erhielt hier seine erste Niederlassung.

 

Besonders durch das staufische Kaiserhaus erfuhr diese neue Gemeinschaft, die sich „Orden der Brüder vom Deutschen Haus Sankt Mariens in Jerusalem" nannte, eine große Förderung. Im Jahre 1198 wurde die Hospitalbruderschaft in einen Ritterorden umgewandelt: Templer und Johanniter stellten das Vorbild, Rittertum und Krankenpflege bildeten die gleichberechtigten Grundpfeiler des neuen Ordens. Die Regeln der neuen Gemeinschaft orientierten sich an denen der beiden älteren Ritterorden und wurden fortgeschrieben durch die Lebensregel des Zisterzienserordens. Schon drei Jahrzehnte nach der Gründung des Zeltspitals erlangte der neue Orden die völlige Gleichberechtigung mit den Tempelrittern und dem Johanniterorden als den beiden großen Ritterorden. Unter der Leitung eines gewählten Hochmeisters blühte der Orden in kurzer Zeit auf. Hochmeister Hermann von Salza (1209-1239) ist mit zu den bedeutendsten Diplomaten des 13. Jahrhunderts zu rechnen.

 

Um 1200 erhielt der Orden Besitztümer in der Südsteiermark und in Halle a. d. Saale, um 1220 kamen erste Niederlassungen im Rheinland dazu. 1230 folgte der Orden dem Ruf nach Preußen, wenige Jahre danach (1237) wurde ihm der livländische Orden der Schwertbrüder mit seinen Besitzungen eingegliedert. Vom Heiligen Land bis nach Spanien, von Sizilien bis ins Baltikum war der Deutsche Orden nun präsent. Ideelles Zentrum des Ordens in Deutschland wurde Marburg. Die Ordensritter setzten sich sehr für die Heiligsprechung der Elisabeth von Thüringen ein, die nach ihrer Heiligsprechung 1235 Mitpatronin des Ordens wurde. Der Schwager Elisabeths, Konrad von Thüringen, war Hochmeister von 1239-1240. In Preußen, das ist das Land zwischen Weichsel und Memel, griff der Orden auf wiederholte Bitten des nordpolnischen Herzogs Konrad von Masowien und auf Drängen von Papst und Kaiser ein. Aufgabe war die Missionierung der heidnischen Pruzzen. Stadtgründungen wie Marienwerder, Elbing und Königsberg zeugen vom Engagement des Ordens in diesem Land. Das kirchliche Leben erfuhr 1243 durch die, unter Mitwirkung des Ordens erfolgte Gründung der vier Bistümer Kulm, Pomesanien, Ermland und Samland, eine stabile Strukturierung, wobei das Bistum Ermland die Stürme der Reformation überstand und bis heute ununterbrochen Bestand hat.

 

Nach dem endgültigen Verlust des Heiligen Landes 1291 wurde vorübergehend Venedig Sitz des Hochmeisters. Im Jahre 1309 wurde der Hochmeistersitz auf die Marienburg im heutigen Polen, eine der größten Burgenanlagen der Welt, verlegt. Der Orden erlebte in der Folgezeit ein Auf und Ab. Im Jahre 1410 verlor er die Schlacht von Tannenberg gegen Polen-Litauen, was neben großen personellen Verlusten auch erhebliche Reparationszahlungen im 1411 geschlossenen Ersten Thorner Frieden brachte. Nach dem Verlust der Marienburg 1457 wurde die Hochmeisterresidenz nach Königsberg verlegt. Hochmeister Albrecht von Brandenburg - Ansbach legte 1525 den Ordensmantel ab und unterwarf sich dem König von Polen. Er nahm den Titel eines Herzogs in Preußen an und nutzte zur Stabilisierung seiner Landesherrschaft die Einführung der Reformation. Das geistliche Ordensland Preußen wurde somit zum ersten protestantischen Territorialstaat. Residenzstadt des Ordens wurde nunmehr Mergentheim in Franken, das dem Orden bereits seit 1219 gehörte. Sehr wechselvoll war die weitere Geschichte des Ordens, der, dies ist eine Einzigartigkeit in der Kirchengeschichte, bis ins 19. Jahrhundert trikonfessionell fortbestand. Neben katholischen Ordensbrüdern gab es auch lutherische und calvinistische Ritter, die ebenfalls an die Gelübde gebunden waren. Herausragende Hochmeister des Ordens waren die Kölner Erzbischöfe Clemens August von Bayern (1732-1761), er erbaute die Schlösser Augustusburg bei Brühl und Clemenswerth und Maximilian Franz, Erzherzog von Österreich, der jüngste Sohn von Kaiserin Maria Theresia. Durch ein Aufhebungsdekret Napoleons wurde der Deutsche Orden 1809 in den Rheinbundstaaten enteignet, der Hochmeister nahm seinen Wohnsitz nun in Wien. Die Aktivitäten des Ordens beschränkten sich in den nächsten Jahrzehnten auf die verbliebenen Besitzungen im Kaiserreich Österreich. Namen wie Troppau in Böhmen und Lana bei Meran seien hier genannt. Ein großer Einschnitt für den Orden war der Rücktritt von Hochmeister Eugen von Österreich im Jahre 1923. Erzherzog Eugen trat zurück, damit der Orden nicht als Habsburgischer Hausorden in der Folge des Sturzes der Monarchie von 1918 aufgelöst wurde. In enger Zusammenarbeit mit Papst Pius XI. fand eine Umwandlung des Ordens statt. Aus einem Ritterorden wurde ein klerikaler Orden mit einem Priester als Hochmeister, dem die Würde eines infulierten Abtes zukommt. Im Jahr 2000 wurde Dr. Bruno Platter zum 65. Hochmeister des Ordens der Brüder und Schwestern vom Deutschen Haus Sankt Mariens in Jerusalem gewählt und zum Abt benediziert. Gegliedert ist der Orden in drei Zweige, die Ordensbrüder, zumeist Priester, die vor allem in der Pfarrseelsorge tätig sind und caritative Einrichtungen unterhalten, die Schwestern, die sich im Bereich der Alten- und Krankenpflege engagieren und den Familiaren. Bereits im 13. Jahrhundert gab es im Deutschen Orden Familiaren. Dies waren Männer und Frauen, verheiratet oder nicht, die dem Orden in enger und besonderer Weise verbunden waren. In der Neufassung der Ordensregel des Jahres 1929 wurde das mittelalterliche Familiareninstitut wieder in der Ordensregel fest verankert. Die Verfolgung des Ordens durch die Nationalsozialisten - Hitler löste in Österreich den Orden im Jahre 1938 mit dem gleichen Dekret auf, mit dem er auch die Judenverfolgung im ganzen Land anordnete, verhinderte eine weitere Ausdehnung der Familiaren.

 

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg konnten neue Familiaren in den Orden aufgenommen werden, die in Deutschland im Deutschherrenbund zusammengeschlossen sind. Heute 2013 gibt es in der Ballei Deutschland, gegliedert in 9 Komtureien, etwa 420 Familiaren. Überwiegend sind die Familiaren Kleriker und verheiratete Männer, die als Unternehmer, Juristen, Mediziner, Künstler, Beamte aktiv in der Familiarengemeinschaft mitarbeiten wollen. Die Familiaren unterhalten Alten- und Jugendpflegeeinrichtungen, z. B. in Köln das Wohnstift „Konrad Adenauer", in Grevenbroich-Elsen einen Kindergarten und eine Jugendhilfeeinrichtung. Weitere Einrichtungen sind z. B. in Erfurt, Jena und in Lindlar.

 

Von den Familiaren wird die „Wissenschaftliche Vereinigung für den Deutschen Orden" getragen, die einerseits die Geschichte des Ordens erforscht, andererseits den Priesternachwuchs im Orden materiell unterstützt und fördert. Dem alten Ordensmotto „helfen und heilen" fühlen sich die Mitglieder des Deutschen Ordens, seien es die Brüder, die Schwestern oder die Familiaren, auch heute noch verpflichtet, wenn sie in der Kirche mitarbeiten und versuchen, den Glauben zu leben und den Armen und Bedrängten zu helfen. Jeder von ihnen bindet sich im Zeichen des Kreuzes an den Deutschen Orden. Das schwarze Kreuz auf weißem Grund ist für sie Symbol des Sieges Christi über die Mächte der Dunkelheit und des Todes. Unter dem Kreuz als Zeichen der Liebe Gottes wollen die Mitglieder des Deutschen Ordens den Menschen helfen und sie zu Christus führen.

Quelle: www.Deutschorden.de

   

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